Einsatzübung 2019


Ein verregneter Mittwochabend im Mai. Die Einsatzabteilung unserer Feuerwehr hat Übungsdienst. “Einsatzübung” steht auf dem Dienstplan. Keiner der sich an der Feuerwehr eingefundenen Kameraden ahnt, welches Szenario heute auf ihn zukommen würde. Pünktlich um 19:30 Uhr kommt für unsere Brandschützer der Einsatzbefehl per Telefon.

“F 2 Y – Gebäudebrand mit Menschenleben in Gefahr”

…heißt es von der Leitstelle. Die Feuerwehren Niederhone und Albungen (Löschbezirk Nord) machen sich auf den Weg.
Wer das obige Bild betrachtet hat und sich in Niederhone ein wenig auskennt, wird relativ schnell bemerkt haben, dass wir uns auf dem Anger befinden. Bereits auf der Anfahrt sind die Rauchschwaden zu sehen. Der Regen drückt den aufsteigenden Rauch immer wieder herunter und der gesamte Anger wird in einen trüben Schleier gehüllt.

Aber wo brennt es nun eigentlich?! – In der Kirche!

Wie schnell klar wurde, haben sich Jugendliche Zugang in die Kirche verschafft und im Bereich der Orgel Schabernack getrieben. Dass dabei ein Feuer ausbricht, wollten sie natürlich nicht… Vier Jugendliche haben die Flucht vor Rauch und Feuer nicht eigenständig geschafft und sind noch irgendwo in den Kirchenräumen verschollen. Für unsere Einsätzkräfte gilt es nun – Menschenrettung! Die unter Schock stehenden Freunde der vermissten Jugendlichen, sowie die vollkommen aufgelöste Pfarrerin, dürfen natürlich auch nicht unbeachtet bleiben und brauchen Betreuung. Eine absolute Aussnahme- und Stresssituation für alle Beteiligten, in der Anfangsphase insbesondere für die Führungskräfte…

Nachdem sich ein Überblick verschafft wurde, konnten die Trupps unter Atemschutz vorgehen…

Mit insgesamt 15 Einsatzkräften aus Niederhone und Albungen, davon sechs unter Atemschutz, wird alles getan, die Vermissten schnellstmöglich zu finden und zu retten. Die in der Kirche arbeitenden Trupps haben dabei die schwerste Arbeit zu verrichten. Sie tragen neben ihrer normalen Einsatzbekleidung die etwa 15 kg schweren Atemschutzgeräte auf dem Rücken, müssen eine Schlauchleitung mit sich führen und haben darüber hinaus durch die starke Rauchentwicklung nahezu “Null-Sicht”. Bei ausgestreckem Arm, können sie ihre Hände nicht mehr sehen. Quasi blind durchkämmen sie so die Kirche auf der Suche nach den Jugendlichen. (Bei unserer Übung wurde der Rauch durch Blenden, welche auf die Vollmasken der Atemschutzgeräte gesetzt werden, simuliert…)

Nach wenigen Minuten waren zwei der vier Vermissten bereits gefunden und ins Freie gerettet. Besonders knifflig war die Absprache der Trupps untereinander (s. Bild rechts). Zu besprechen, was man bereits abgesucht hat und wo als nächstes gesucht werden muss, ist gar nicht so einfach, wenn man weder den Raum in seiner Gänze, noch sein Gegenüber oder gar die eigene Hand vor Augen sieht.

Nicht zuletzt durch solche Übungsszenarien sollen genau diese Extremsituationen trainiert werden, damit wir sie im Ernstfall sicher bewältigen können. Das Erdgeschoss ist durchkämmt, das Obergeschoss steht nun an…

Vor dem Treppenaufgang nochmals eine Besprechung. Schnell und routiniert wird das Vorgehen geklärt. Es dauert keine drei Minuten, da sind auch die beiden letzten vermissten Jugendlichen gefunden und gerettet.

Kaum setzt der letzte seinen Fuß aus der Kirche heißt es vom Übungsleiter: “Übungsende!”

Sinn und Zweck der Übung sollte das Trainieren von Stresssituationen für den Einheisführer, sowie die Menschenrettung bei Null-Sicht für die Atemschutzgeräteträger sein; der vermeindliche Brand musste nach der Personenrettung nicht mehr gelöscht werden. Die sechs unter Atemschutz eingesetzten Kameraden waren auch mit den Kräfen am Ende… Insgesamt hat die Einsatzphase etwa 30 Minuten gedauert; 30 kräftezehrende Minuten – für jeden Beteiligten.

Nach dem Rückbau der eingesetzten Gerätschaften wurde die Übung bei gemeinsamem Grillen am Feuerwehrgerätehaus reflektiert und der Tag konnte bei angenehmen Gesprächen ausklingen.


In regelmäßigen Aus- & Fortbildungsdiensten, sowie unangekündigten Alarmübungen bilden sich unsere Einsatzkräfte aus den Einsatzabteilungen fort, um auch zukünftig zur Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger beizutragen. Hast auch Du Interesse an unserer Arbeit und möchtest etwas für Deine Heimat tun? Dann schau doch einfach bei unserem nächsten Übungsdienst mal vorbei.


Danke sagen wir in erster Linie Frau Pfarrerin Imme Mai, sowie dem gesamten Kirchenvorstand Niederhone, für die vorbildliche Zusammenarbeit und die Erlaubnis, das Gotteshaus für unsere Übungszwecke nutzen zu dürfen. Außerdem bedanken wir uns bei den Konfirmandinnen und Konfirmanden, welche für uns als Statisten tätig wurden. Wir hoffen, es hat allen Beteiligten Spaß gemacht und vielleicht findet ja der ein, oder die andere Konfirmand/in seinen/ihren Weg ja auch einmal zu uns.